Licht ins Dunkel: Faktencheck und Stilkritik zu Michy Reinckes Text „Trägheit und Propaganda“

Vor wenigen Tagen hat mein alter Label-Chef und Kollege Michy Reincke auf Facebook (https://www.facebook.com/michyreincke) einen Text veröffentlicht, in dem er sein Unbehagen und sein Unverständnis über die aktuellen Corona Maßnahmen darlegt, und eine aufkommende Limitierung der Meinungsfreiheit anprangert. Der Text ist ein Paradebeispiel dafür, wie selbst Menschen in meinem direkten künstlerischen Umfeld in die Welt der Verschwörungstheorien abrutschen, und das mit den besten Absichten und ohne es zu merken.

Ich bin mir sicher, dass Michy tatsächlich und völlig aufrichtig davon überzeugt davon ist, der Wahrheit auf die Spur gekommen zu sein, bzw. einen neutralen Diskussionsbeitrag zu leisten. Sein Text ist ein Musterbeispiel dafür, wie das völlig legitime Hinterfragen von Regierungsmaßnahmen mit ein paar falschen Abzweigungen ins dunkle Tal der Lügen und der Fake-News führt. Ich bin und war zutiefst schockiert, und kann seinen Artikel nicht unwidersprochen lassen.

Ich habe mir daher einmal die Mühe gemacht, Michys Text Stück für Stück durchzugehen und genau aufzuzeigen, wo und an welcher Stelle die Lüge unbemerkt Einzug in seine Argumentationskette gehalten hat. Denn anders als Michy schreibt, und viele Kommentare voller Dankbarkeit darunter suggerieren, ist sein Text alles andere als eine saubere Recherche. Da der Original-Text sehr lang ist, wird es dieser hier auch sein. Leider ist das nötig, um den mühseligen Prozess der Erkenntnisgewinnung zu durchlaufen. Ich erwarte aber von jedem, der sich die Mühe gemacht hat, Michys Text zu lesen, diesen hier ebenso sorgfältig zu verfolgen.

Grundsätzlich, einmal vorab und zum Mitschreiben, geht es mir NICHT um die Frage, ob Michy Reincke die Corona Maßnahmen zurecht in Frage stellt, oder ob er sich irrt. Daher gehe ich auch nur am Rande auf die Frage ein, ob das Virus wirklich gefährlich ist oder ob bestimmte Corona-Maßnahmen tatsächlich sinnvoll sind. Das ist komplett irrelevant. Michy kann denken und sagen was er will, und mit ihm 40-Tausend andere Menschen, wie man ja offensichtlich sehen konnte letzten Samstag in Berlin.

Es geht um die Form und die haltlosen Andeutungen einer „Meinungs-Unterdrückung“ und Manipulation bzw. Bevormundung der Bevölkerung, die ich nicht unwidersprochen hinnehmen kann.

STILKRITIK

Ich widme mich zunächst einmal der Form seines Vortrags. Bereits hier wird deutlich, dass der Text mitnichten eine nüchterne Analyse von Fakten ist, wie behauptet, sondern getrieben von Emotionen. Ein Beispiel:

Ist das was ein Milliardär & die Bundeskanzlerin sagen „in Stein gemeißelt“? Die Aufforderung, dass dies auch die „Road-Map“ für meine Reise sein sollte, dass ein Software-Entwickler & eine ehemalige FDJ-Propaganda-Beauftragte bestimmen wann ich wieder arbeiten darf […]

Michy Reincke

Hier wird durch eine rhetorische Frage zum einen suggeriert, dass Bill Gates und Angela Merkel quasi diktatorisch darüber bestimmen würden, welche Gesetze in diesem Land erlassen werden, was nachweislich unwahr ist. Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie, und auch wenn Merkels Wort sicher (noch) viel Gewicht hat, ist die Corona Politik nach einer kurzen Startphase Ländersache. Trotzdem thematisiert er an dieser Stelle Merkels SED Vergangenheit als vermeintlichen Beleg ihrer antidemokratischen Gesinnung, obwohl eine einfache zwei-Wort Recherche (corona + ländersache) Klarheit gebracht hätte (https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kretschmann-corona-politik-wird-alleinige-laendersache-16786818.html)

Überhaupt benutzt Michy das bei Verschwörungstheoretikern äußerst beliebte rhetorische Mittel der „loaded Question„, also dem haltlosen Behaupten von Fakten in Form von vermeintlichen Fragen. Das ist ein sehr mächtiges Werkzeug, weil es unter dem Deckmantel der unschuldigen Frage Behauptungen und Fakten in die Welt setzt, ohne die Verantwortung dafür zu übernehmen, diese auch zu belegen. Diese Aufgabe wird dem Zuhörer überlassen, die er natürlich nicht erfüllen kann. Ergebnis: Die Aussagen bleiben unwidersprochen im Raum stehen.

Dazu ein Beispiel:

„Die Rolle der Medien, besonders der gemeinschaftseigenen Medien, lasse ich in diesem Schreiben bewusst außen vor. Was immer ihre Rolle sein mag, ob sie sich der Gemeinschaft gegenüber verantwortungsvoll verhalten haben oder nicht, ob sie genauso informell formatiert sind wie kulturell – das ist eine andere Diskussion.“

Michy Reincke

Hier wird suggeriert, dass die „gemeinschaftseigenen Medien“, was hier mangels Konkretisierung meiner Meinung nach nur als Euphemismus für „Systemmedien“ gelesen werden kann, „kulturell formatiert“ sind. Auch das ist nur ein schöneres Wort für Gleichschaltung. Die „Frage“, die Michy stellt, lautet hier also, ob die Systemmedien im informellen Bereich genauso gleichgeschaltet sind wie im kulturellen Bereich, nur um sie unbeantwortet im Raum stehen zu lassen. Das ist aber keine Frage, sondern die implizite Feststellung, es gäbe gleichgeschaltete Systemmedien, die ergo zentral gesteuert sind, was wiederum nur in Diktaturen vorkommt. Die süffisante Anmerkungen, das dies eine andere Diskussion sei, lässt wenig Spielraum offen für die Möglichkeit, dass die Medien vielleicht weder informell noch kulturell formatiert, sondern möglicherweise doch divers sind. Mit einer einfachen „Frage“ wird hier also ein implizites Meinungsbild und Framing geschaffen.

Eine hervorragende Analyse dieser Art der Diskussionsführung gibt es hier: https://www.zeit.de/kultur/2020-08/fragen-verschwoerungmythen-unterstellungen-kritik-diskurs-manipulation

FAKTENCHECK

Inhaltlich ist der Text eine wilde Mischung aus unbelegten Tatsachenbehauptungen, tatsächlich harmlosen aber zu einem Skandal hochstilisierten realen Fakten, RKI Daten und klaren Falschbehauptungen. Die „Recherche“, oder wie Michy sogar sagt, die 5-monatige „Studie“, besteht offenkundig aus dem Googeln von youtube-Kanälen alternativer Medien, sowie der eigenwilligen Interpretation der offiziellen Daten des RKI. Eine eigenständige Recherche, also das mühselige Nachverfolgen von vermeintlichen oder tatsächlichen Belegen besonders im Bereich der youtube-Kanäle, fehlt völlig.

Aber nehmen wir Michys „Belege“ doch einmal unter die Lupe. Seine sogenannte Analyse startet hier:

„Ich stieg daher tiefer ins Thema ein & fand z.B. heraus dass die Berliner Werbeagentur „Scholz & Friends“ Anfang dieses Jahres vom Bundesgesundheitsministerium für 22 Mio.€ (für die nächsten 4! Jahre)
https://www.youtube.com/watch?v=m2k6JYVSLuM
engagiert worden war um u.a. bekannte Slogans wie „𝘞𝘪𝘳 𝘉𝘭𝘦𝘪𝘣𝘦𝘯 𝘡𝘶𝘩𝘢𝘶𝘴𝘦“, „𝘍𝘭𝘢𝘵𝘵𝘦𝘯 𝘛𝘩𝘦 𝘊𝘶𝘳𝘷𝘦“, „𝘚𝘰𝘤𝘪𝘢𝘭 𝘋𝘪𝘴𝘵𝘢𝘯𝘤𝘪𝘯𝘨“, etc. zu entwerfen (der Begriff „𝘕𝘦𝘶𝘦 𝘕𝘰𝘳𝘮𝘢𝘭𝘪𝘵𝘢̈𝘵“ tauchte zeitgleich, mit gleichlautenden Ankündigungen nahezu aller Regierenden zu den Maßnahmen weltweit auf, ohne jeglichen Widerspruch oder einer Opposition etablierter Medien oder politischer Parteien).“

Michy Reincke

Hier passieren viele Dinge gleichzeitig, daher der Reihe nach. Zum einen, so sagt er, „fand er heraus“ (was eine Geheimhaltung suggeriert), dass eine Werbeagentur für die Aufklärungskampagne der Regierung gebucht und bezahlt worden ist. Was hier wie eine Skandalmeldung präsentiert wird, ist einfach nur Tagesgeschäft. Sämtliche Öffentlichkeits-Kampagnen der Regierung werden von Werbeagenturen produziert, die Regierung unterhält selbst keine Werbeagentur, und natürlich wird diese Arbeit bezahlt. Die 22 Millionen Euro, ohne Quelle belegt, beinhalten dabei üblicherweise das gesamte Media-Budget, d.h. auch alle Kosten für die bundesweite Schaltung der Anzeigen und Plakate. Warum diese Kampagne überhaupt geschaltet wurde, dazu später mehr.

Im Folgenden wird dann behauptet, „der Begriff „𝘕𝘦𝘶𝘦 𝘕𝘰𝘳𝘮𝘢𝘭𝘪𝘵𝘢̈𝘵“ tauchte zeitgleich, mit gleichlautenden Ankündigungen nahezu aller Regierenden zu den Maßnahmen weltweit auf, ohne jeglichen Widerspruch oder einer Opposition etablierter Medien oder politischer Parteien“.

Kein Beleg, keine Quelle, nichts. Wo steht das? Wo wurde das „zeitgleich von allen Regierenden weltweit“ postuliert? Und ohne jeglichen Widerspruch? Alleine in Deutschland wurde über die Lockdown Maßnahmen heftig diskutiert. In den USA hat sich ein gewisser Donald Trump höchstpersönlich monatelang geweigert, die Gefahr anzuerkennen, und versucht jeden Lockdown abzuwehren und die „alte Normalität“ am Laufen zu halten. Die Nachrichten waren voll davon.

Wie also kann man allen Ernstes diese Behauptung aufstellen, wenn ja wie nun wirklich jeder weiß a) sich das Virus nachweislich erst nach und nach auf der Welt ausgebreitet hat, und b) sehr viele Regierung äußerst unterschiedlich auf die Bedrohung reagiert haben. Von Abriegelung ganzer Städte (China), zu Verharmlosung (USA), Verleugnung (Russland, Brasilien), ohne Lockdown (Schweden, Belgien), mit zunächst lokalem Lockdown (Italien), usw. All das haben wir ja alle live mitbekommen. Es gab weder eine Gleichzeitigkeit noch eine globale Gemeinsamkeit der Maßnahmen, geschweige denn eine gleichzeitige Erschaffung des Wordings „Neue Normalität“ durch „alle Regierenden weltweit“. Das ist eine falsche Tatsachenbehauptung.

Weiter im Text. Michy schließt seine Einleitung mit wiederum einer „loaded Questions“:

„Eine Pandemie die so gefährlich ist, dass man für sie werben muss, da die Menschen die Gefahr sonst nicht erkennen? „Public Relation“ für eine todbringende Seuche? Gleichzeitig ein neuer Trend, ein Geschäftsmodell, eine Marktlücke für „zum Schutz befohlene“ Mode-Accessoires?“

Michy Reincke

Michy diffamiert hier, wieder verklausuliert in eine Frage, eine Gesundheits-Aufklärungskampagne als eine PR Werbekampagne. Die Idee, dass die zum Schutz befohlene Maske ein „Geschäftsmodell“, ein „Mode-Accessoire“ sei, ist so absurd, dass es fast schon schwerfällt, dagegen zu argumentieren, aber ich tue es trotzdem.

Wie Michy vielleicht mitbekommen hat, kam die Maskenpflicht in Deutschland erst sehr spät, und auch erst nach vielen, zahlreichen Diskussionen, und wie er ebenfalls richtig anmerkt, nach einem etwas seltsamen hin und her (mehr dazu später). Die Maske ist nun allerdings ein „Accessoire“, das bei wirklich niemandem auf Begeisterung stößt. Ich habe noch niemanden getroffen, auch nicht die überzeugtesten Infektionsschützer, der von sich behauptet hätte, er/sie liebe seine/ihre Maske und trage sie als „Mode-Accessoire“. Menschen tragen die Maske aus der Überzeugung, ANDERE (nicht sich selbst) damit vor einer potentiellen Infektion zu schützen. Ob das nun tatsächlich etwas bringt, oder ein Irrweg ist, ist natürlich eine Frage, die diskutiert werden darf. Aber wenn man dann noch sieht, dass fast die gesamte deutsche Wirtschaft durch die Lockdown-Maßnahmen kollabierte, ist die Idee, dass die Maske ein neues „Geschäftsmodell“ sein soll, an Absurdität und Unlogik nicht zu überbieten. Man kann und darf die Maskenpflicht hinterfragen, aber diese Schlussfolgerungen ergeben überhaupt keinen Sinn.

Weiter. Hier wird nun eine geleakte Verschwörung suggeriert.

„Dann wurde ein Papier vom Bundesinnenministerium geleakt,
https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/
das sogenannte „Panik-Papier“ welches offiziell „Corona-Strategiepapier“ genannt wurde & in dem erklärt wird, dass zur Verdeutlichung der Gefahr von den Behörden auf Angst gesetzt werden solle. Nachfolgend nur ein paar Auszüge:
𝘜𝘮 𝘥𝘪𝘦 𝘨𝘦𝘸𝘶̈𝘯𝘴𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘚𝘤𝘩𝘰𝘤𝘬𝘸𝘪𝘳𝘬𝘶𝘯𝘨 𝘻𝘶 𝘦𝘳𝘻𝘪𝘦𝘭𝘦𝘯, 𝘮𝘶̈𝘴𝘴𝘦𝘯… 𝘈𝘶𝘴𝘸𝘪𝘳𝘬𝘶𝘯𝘨𝘦𝘯… 𝘷𝘦𝘳𝘥𝘦𝘶𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯:
4.1. 𝘝𝘪𝘦𝘭𝘦 𝘚𝘤𝘩𝘸𝘦𝘳𝘬𝘳𝘢𝘯𝘬𝘦 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯 𝘷𝘰𝘯 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘯 𝘈𝘯𝘨𝘦𝘩𝘰̈𝘳𝘪𝘨𝘦𝘯 𝘪𝘯𝘴 𝘒𝘳𝘢𝘯𝘬𝘦𝘯𝘩𝘢𝘶𝘴 𝘨𝘦𝘣𝘳𝘢𝘤𝘩𝘵 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘢𝘣𝘨𝘦𝘸𝘪𝘦𝘴𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘴𝘵𝘦𝘳𝘣𝘦𝘯 𝘲𝘶𝘢𝘭𝘷𝘰𝘭𝘭 𝘶𝘮 𝘓𝘶𝘧𝘵 𝘳𝘪𝘯𝘨𝘦𝘯𝘥 𝘻𝘶 𝘏𝘢𝘶𝘴𝘦…
4.2. 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯 𝘬𝘢𝘶𝘮 𝘶𝘯𝘵𝘦𝘳 𝘥𝘦𝘳 𝘌𝘱𝘪𝘥𝘦𝘮𝘪𝘦 𝘭𝘦𝘪𝘥𝘦𝘯: 𝘍𝘢𝘭𝘴𝘤𝘩. 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘭𝘦𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘢𝘯𝘴𝘵𝘦𝘤𝘬𝘦𝘯, 𝘴𝘦𝘭𝘣𝘴𝘵 𝘣𝘦𝘪 𝘈𝘶𝘴𝘨𝘢𝘯𝘨𝘴𝘣𝘦𝘴𝘤𝘩𝘳𝘢̈𝘯𝘬𝘶𝘯𝘨𝘦𝘯, 𝘻.𝘉. 𝘣𝘦𝘪 𝘥𝘦𝘯 𝘕𝘢𝘤𝘩𝘣𝘢𝘳𝘴𝘬𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳𝘯. 𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘯𝘯 𝘪𝘩𝘳𝘦 𝘌𝘭𝘵𝘦𝘳𝘯 𝘢𝘯𝘴𝘵𝘦𝘤𝘬𝘦𝘯, 𝘶𝘯𝘥 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘥𝘢𝘷𝘰𝘯 𝘲𝘶𝘢𝘭𝘷𝘰𝘭𝘭 𝘻𝘶 𝘏𝘢𝘶𝘴𝘦 𝘴𝘵𝘪𝘳𝘣𝘵 𝘶𝘯𝘥 𝘴𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘴 𝘎𝘦𝘧𝘶̈𝘩𝘭 𝘩𝘢𝘣𝘦𝘯, 𝘚𝘤𝘩𝘶𝘭𝘥 𝘥𝘢𝘳𝘢𝘯 𝘻𝘶 𝘴𝘦𝘪𝘯, 𝘸𝘦𝘪𝘭 𝘴𝘪𝘦 𝘻.𝘉. 𝘷𝘦𝘳𝘨𝘦𝘴𝘴𝘦𝘯 𝘩𝘢𝘣𝘦𝘯, 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘯𝘢𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘮 𝘚𝘱𝘪𝘦𝘭𝘦𝘯 𝘥𝘪𝘦 𝘏𝘢̈𝘯𝘥𝘦 𝘻𝘶 𝘸𝘢𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯, 𝘪𝘴𝘵 𝘦𝘴 𝘥𝘢𝘴 𝘚𝘤𝘩𝘳𝘦𝘤𝘬𝘭𝘪𝘤𝘩𝘴𝘵𝘦, 𝘸𝘢𝘴 𝘦𝘪𝘯 𝘒𝘪𝘯𝘥 𝘫𝘦 𝘦𝘳𝘭𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘬𝘢𝘯𝘯.
4.3. …𝘴𝘦𝘭𝘣𝘴𝘵 𝘢𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯𝘥 𝘎𝘦𝘩𝘦𝘪𝘭𝘵𝘦 𝘯𝘢𝘤𝘩 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘮 𝘮𝘪𝘭𝘥𝘦𝘯 𝘝𝘦𝘳𝘭𝘢𝘶𝘧 𝘬𝘰̈𝘯𝘯𝘦𝘯 𝘢𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯𝘥 𝘫𝘦𝘥𝘦𝘳𝘻𝘦𝘪𝘵 𝘙𝘶̈𝘤𝘬𝘧𝘢̈𝘭𝘭𝘦 𝘦𝘳𝘭𝘦𝘣𝘦𝘯, 𝘥𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘯𝘯 𝘨𝘢𝘯𝘻 𝘱𝘭𝘰̈𝘵𝘻𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘵𝘰̈𝘥𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯…
Das Bundesinnenministerium gibt zu, dass es dieses Papier verbreitet hat, macht aber keine Angaben zu den Verfassern (für mich klingt das allerdings nach einer Werbeagentur-Präsentations-Idee). Die WHO bestritt zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Studien noch dass Kinder & Menschen ohne Symptome überhaupt das Virus verbreiten könnten.“

Michy Reincke

Auch hier passiert wieder viel gleichzeitig. Zum einen wird aus dem Corona-Strategie Papier der Bundesregierung „das sogenannte Panik-Papier“. Sogenannt von wem? Erfahren wir nicht. Dann wird ein Auszug aus dem tatsächlich existierenden Dokument (https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid-19.html) zitiert, der beschreibt, wie der die Bevölkerung die Bedrohung vor Augen geführt werden soll.

Das klingt allerdings nur solange manipulativ, wie man der Überzeugung ist, die Bundesregierung wüsste um eine eigentliche Harmlosigkeit des Virus, und würde die Bevölkerung aus nicht näher genannten Gründen gezielt verunsichern.

Tatsächlich steht aber in demselben Strategie Papier ganz zu Anfang folgendes:

„Das pandemische COVID-19-Virus ist für die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in Deutschland und Europa die größte Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Blick auf die Daten aus Asien und die Meldungen aus europäischen Nachbarländern zeigen, dass eine Unterschätzung der Größenordnung dieser Herausforderung zu immensen, irreversiblen Schäden führen wird. Die meisten Virologen, Epidemiologien, Mediziner, Wirtschafts- und Politikwissenschaftler beantwor-ten die Frage «was passiert, wenn nichts getan wird» mit einem Worst-Case-Szenario von über einer Million Toten im Jahre 2020 – für Deutschland allein. Ein Expertenteam von RKI, RWI, IW, SWP, Uni-versität Bonn/University of Nottingham Ningbo China, Universität Lausanne und Universität Kassel bestätigt diese Zahlen mit einem für Deutschland entwickelten Gesamtmodell.“

Aus dem Corona Strategie Papier der Bundesregierung

Es ist also klar ersichtlich, dass die Regierung zu diesem Zeitpunkt im schlimmsten Fall von einer Millionen Toten in Deutschland ausgeht, und daher von der Dringlichkeit und der Notwendigkeit der aufklärerischen Maßnahmen überzeugt ist. Und das direkt aus der Quelle, die den angeblichen Skandal enthalten soll. Womit wir wieder bei der daraus notwendigen Aufklärungs-Kampagne wären, die in Auftrag gegeben wurde. Und die ganze Verschwörung löst sich in Luft auf.

Das, was Michy Reincke bis jetzt als höchst verdächtige und skandalöse Machenschaften ausmalt, ist bei Licht betrachtet nur der Versuch einer Regierung, auf ein unbekanntes Virus mit einer Aufklärungs-Kampagne zu reagieren. Von einem „Skandal“, einem „Leak“ oder von gleichgeschalteten Medien ist weit und breit nichts zu sehen, und darüberhinaus erklärt Michy auch zu keinem Zeitpunkt, WARUM denn die Regierung so etwas machen wollen sollte. Es wird lediglich eine bedrohliche Vieldeutigkeit und manipulative Absicht suggeriert.

Weiter mit den Masken. Michy schreibt:

„Dann widerrief der Entwickler des aktuellen PCR-Tests, Professor Christian Drosten, seine Ende Januar noch eindrücklich vorgetragene fachliche Einschätzung, dass Masken bei Viren so gut wie nichts bringen würden. https://www.youtube.com/watch?v=J7Ic_bbRkXQ

Michy Reincke

Das ist in der Tat eine der bemerkenswerten Kehrtwenden, die nicht nur Michy seltsam vorkam, aber anders als er vorgibt breit diskutiert wurde (https://www.spektrum.de/news/spaete-kehrtwende/1743228) . Michy jedoch nimmt diese hinterfragungswürdige Tatsache als Beleg für grundsätzliche Unglaubwürdigkeit. Anstatt weiter nachzuforschen, oder womöglich den Versuch zu unternehmen, Drosten selber zu kontaktieren, und mal nachzufragen, wie denn der Meinungsumschwung kam, wendet er sich den alternativen Medien zu, und wird dort, Überraschung, natürlich ausreichend fündig mit Belegen für gezielte Sabotage der öffentlichen Wahrnehmung. Anstatt also einem Widerspruch auf den Grund zu gehen, und ihn mühselig aufzulösen, erklärt Michy einfach die offiziellen Verlautbarungen für manipuliert und interessengetrieben und macht sich auf die Suche nach Belegen für diesen Komplott. Ein richtiger Faktencheck sieht anders aus.

A propos Faktencheck: Zu dem bereits in der Stil-Kritik erwähnten Bill-Gates-Bashing verlinkt Michy noch auf ein Video, das durch geschickten Schnitt und ständige Wiederholung bestimmter Sequenzen suggeriert, dass sich Bill Gates und seine Frau Melinda über die Entwicklung der Maßnahmen gegen das Virus diebisch freut:

„Bill Gates sagt übrigens Folgendes zum weiteren Verlauf: https://www.youtube.com/watch?v=7LkLsbfGeV4

Michy Reincke

Die Machart des Videos ist in einer Art und Weise manipulativ, die fast schon lächerlich ist und als „Quelle“ damit völlig unglaubwürdig wird. In Zeitlupe wird am Ende wieder und wieder die Mimik von Bill Gates und seine Frau gezeigt, als sie sagen, sie hoffen dass die Menschheit bei der nächsten Seuche aus dieser gelernt hat. Man kann, darf und muss die Motivation von Bill Gates hinterfragen, aber den Gesichtsausdruck (in Zeitlupe, und das sieht bei jedem Gesichtsausdruck diabolisch aus) seiner Frau in einem Video als Beleg für unlautere Machenschaften anzuführen, ist totaler Unfug. Das sollen Fakten sein? Das ist Trash TV.

Bill Gates hat bereits 2015 genau vor einem Szenario wie dem des Corona Virus gewarnt: https://www.ted.com/talks/bill_gates_the_next_outbreak_we_re_not_ready/transcript?language=de . Seine Stiftung ist bereits seit vielen Jahren im Bereich Seuchenbekämpfung aktiv. Man kann und darf Bill Gates kritisch sehen, und sein Engagement in vielen Bereichen des Klimaschutzes und der Entwicklungshilfe bringt vielleicht nicht immer das gewünschte Ergebnis, aber ihn als treibende Kraft hinter einer Pandemie zwecks Verkaufs eines Impfstoffes zu sehen ist völlig absurd. Der Mann ist Multi-Milliardär und bald 70. Welchen Grund sollte er haben, auf seine alten Tage die Welt ins Unglück zu stürzen, um noch mehr Geld zu haben, wenn er stirbt? Das ergibt keinen Sinn, es sei denn man unterstellt ihm eine grundlegende Bösartigkeit.

An dieser Stelle im Text steigt Michy erst richtig in die Thematik ein, und postuliert die weit verbreitete Behauptung, das Corona-Virus sei nicht schlimmer als eine mittelmäßige Grippewelle, und die Testung Drostens sei ungenau bzw. unsicher. Weil die Widerlegung dieser zahlreichen Falschbehauptungen den Rahmen dieses Textes sprengen würde, verweise ich an der Stelle auf einen ausführliches Artikel zu dem Thema: https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2020/03/18/coronavirus-warum-die-aussagen-von-wolfgang-wodarg-wenig-mit-wissenschaft-zu-tun-haben

Grundsätzlich ist dieser Teil aber wie Eingangs erwähnt komplett egal, denn es geht nicht darum, dass Michy anderer Meinung als „der Mainstream“ ist. Das darf er gerne sein. Es geht auch nicht darum, ob er Recht hat mit seiner Analyse, das Virus wäre gar nicht so schlimm. Vielleicht hat er ja sogar recht (was ich nicht glaube).

Es geht aber darum, dass Michy durch die Art und Weise der Präsentation seiner „Forschungsergebnisse“ suggeriert, dass diese Meinung systematisch unterdrückt bzw. verheimlicht würde, was völliger Unsinn ist. Denn tatsächlich wurde, wie gerade verlinkt, viele dieser vermeintlichen Fakten wissenschaftlich überprüft (und widerlegt), nur kümmert das die Anhänger dieser Fakten nicht.

Ich gehe weiter zum Stein des Anstoßes – der Grund, warum Michy nach eigenen Angaben seinen Text überhaupt verfasst hat:

„Eigentlich ist es das „Bonmot“ des RKI-Präsidenten Lothar Wieler gewesen, der in einer Pressekonferenz auf die Einhaltung der Maßnahmen pochte, das mich innerlich nötigte alle diese Zeilen hier überhaupt zu schreiben:
„𝘿𝙞𝙚𝙨𝙚 𝙍𝙚𝙜𝙚𝙡𝙣 𝙙𝙪̈𝙧𝙛𝙚𝙣 𝙣𝙞𝙚𝙢𝙖𝙡𝙨 𝙝𝙞𝙣𝙩𝙚𝙧𝙛𝙧𝙖𝙜𝙩 𝙬𝙚𝙧𝙙𝙚𝙣!“
u.a.: https://www.youtube.com/watch?v=Vq0WpcWilHk
Das ist nicht nur bizarr sondern höchst unwissenschaftlich. & wenn ich diese Regeln hinterfrage – die mich übrigens an einen spießigen Hausmeister meiner Kindheit erinnern, der uns nicht erklären konnte warum das Betreten des Rasens zum Spielen verboten war – bin ich dann ein Idiot oder ein politischer Extremist?“

Michy Reincke

So wie Michy hier schreibt, und so wie das Video auf diese eine Aussage zusammengekürzt wurde, könnte tatsächlich der Eindruck entstehen, hier würde jemand das Hinterfragen von Maßnahmen verbieten. Schaut man sich aber das ganze Video an, dann wird deutlich, dass diese Aussage im Zusammenhang mit der Befürchtung getroffen wird, dass es noch monatelang nötig sein könnte, die Maßnahmen aufrecht zu erhalten, um die Infektionszahlen niedrig zu halten, und das Infrage-Stellen ergo Nicht-Beachten der Maßnahmen alles zunichte machen würde, was bisher erreicht wurde.

Man hätte das seitens des RKI sicher eleganter formulieren können, aber die Idee, dass hier (wieder der Diktatur Gedanke) jemand kritische Geister mundtot machen will, setzt die Grundannahme von Böswilligkeit voraus. Nur dann kann man daraus eine versuchte Entmündigung der Bürger hineinlesen. Und als potentiell „politischen Extremisten“ hat sich Michy hier nur selber bezeichnet – suggeriert damit aber, er würde bestimmt als solcher eingestuft, wenn er sich gegen dieses vermeintliche Denkverbot „auflehnen“ würde.

Michys abschließende Buchempfehlung („Ich empfehle jedem Interessierten das Buch „Wider Den Gehorsam“ von Arno Gruen, https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Gruen) setzt dem Ganzen die Krone auf, denn Grün war Jude und dem Nationalsozialismus entkommen, und setzte sich zeitlebens für antiautoritäres Denken ein, was ja erst mal eine gute Sache ist. In diesem Zusammenhang jedoch unterstützt dieser „Buchtipp“ das Narrativ der extremen Rechten, alles Denken wäre gleichgeschaltet und wir würden eigentlich in einer Diktatur leben. Die Möglichkeit, dass man durch eigenes Denken auch zu anderen Schlüssen kommen kann und darf als er selbst, zieht Michy nicht in Betracht. Aus einer persönlichen Befindlichkeit und einem Unwillen gegenüber einschränkenden Maßnahmen wird hier antidemokratischen Erzählungen Vorschub geleistet. Das ist verantwortungslos und gefährlich.

Anders, als Michy möglicherweise denkt, sind wir, die wir die Corona-Maßnahmen mittragen, äußerst aufmerksam und verfolgen die entschiedenen Vorschriften genau und hinterfragen ihren Sinn. Es scheint aber außerhalb Michys Vorstellungskraft, das ein Großteil der Bevölkerung die ergriffenen Maßnahmen vielleicht nicht als optimal oder angenehm, aber als sinnvoll und zielführend ansieht, und aus Solidarität und Überzeugung eine Zeitlang die persönliche Freiheit hinten anstellt. Und das nicht aus einem Mangel an Information, sondern nach sorgfältiger Abwägung und Bewertung verschiedener Quellen.

Ich habe in Michys Text dieses sorgsame Abwägen wissenschaftlicher Meinungen nicht gefunden, es gab nur eine Bestätigungssuche und selektives Zitieren teils fragwürdiger Quellen für eine vorgefasste Meinung. Mit seinen unhaltbaren Andeutungen zur aufkommenden Unterdrückung der Meinungsfreiheit macht er sich mit rechtem Gedankengut gemein, und dieses damit salonfähig bis weit in die gesellschaftliche Mitte, verbunden mit der Beschwerde, sicher zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt zu werden. Dass er sich mit seiner häufigen Widerstands-Rhetorik da ganz alleine hinstellt, übersieht er. Der Ton macht die Musik, und das müsste er eigentlich am besten wissen.

Man könnte ja beispielsweise auch einfach sagen: „Ich finde die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen nicht ausgewogen genug.“ Das ist dieselbe Botschaft, aber ein ganz anderer Tonfall als das Gerede von informell formatierten gemeinschaftseigenen Medien. Das ist Nazi-Sprech, auch wenn ihm das vermutlich nicht bewusst ist.

Nochmal: Man kann und darf sich ärgern über die Corona Maßnahmen. Man kann und darf das kritisch sehen, und auch laut sagen, dass man nicht einverstanden ist, bzw. alles für einen großen Mumpitz hält. Man kann und darf auch den Einfluss von Bill Gates auf die Politik kritisch sehen. Und auch die Berichterstattung zu all den Themen in den Öffentlich-Rechtlichen darf und muss hinterfragt werden. Ja, man darf sich sogar bevormundet fühlen. Das tue ich an roten Ampeln auch gerne mal. Niemand hat das jemals verboten. Die rhetorische Frage, ob man möglicherweise ein „politischer Extremist“ wäre, wenn man gegen den „Mainstream“ argumentiert, suggeriert jedoch eine Unterdrückung der Meinungsfreiheit, die es nachweislich nicht gibt in Deutschland. Und dieses Narrativ wird nun einmal mit Vorliebe von der extremen Rechten bedient, weswegen man sich nicht wundern darf, mit so einer Widerstandsrhetorik in ebenjene Ecke gestellt zu werden. Wie man sich bettet, so liegt man.

Die Mehrheit in diesem Land ist für das Tragen von Masken und die Abstandsregeln. Eine demokratisch gewählte Regierung hat diese Maßnahmen beschlossen. Man kann das blöd finden, man kann das dumm finden, aber es gibt keine Denk- oder Sprechverbote diesbezüglich. Man darf den ganzen Tag rumlaufen und jedem erzählen, der es nicht hören will, wie bescheuert man das alles findet, wie doof der RKI Präsident ist, und auch, dass man glaubt, das alles wäre nur ein großer Schwindel. Man darf und kann jederzeit seine eigene Interpretation des Infektionsgeschehens abgeben, und vielleicht ist die sogar richtig, aber das spielt keine Rolle.

Die Einschränkungen der Corona-Zeit sind streckenweise unerträglich und existenzsbedrohend, ja. Und nein, man weiß weder alles über den Virus, noch hat man schon abschließend valide Daten über dessen Gefährlichkeit. Und vielleicht stellt man irgendwann fest, dass der Lockdown und die Maskenpflicht gar keine gute Idee war.

Aber das ist eben egal, weil zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Merhheit der Meinung ist, dass der Preis zu hoch sein könnte, das auszuprobieren. Deswegen müssen jetzt halt alle erst mal mitmachen, auch die, die das dumm finden. Das nennt man Demokratie.

So einfach ist das.

UPDATE 01.09.2020

Michy Reincke hat auf meine Replik wie man im Kommentar hier sehen kann geantwortet, unter anderem mit einem Link auf eine seiner „Quellen“, ein youtube Video vom QAnon Kanal „Amazing Polly“, in dem u.a. behauptet wird, alle Gesundheits NGOs wären Mafia Familien. Damit ist meine Gesprächsbereitschaft leider beendet.

Viele seiner Fans haben mich aufgefordert, seine Fakten zu sehen, seine Zahlen zu prüfen, mir „selber ein Bild zu machen“. Nur darum geht es nicht. Ob Michy Recht hat, dass der Virus nicht gefährlich ist, oder nicht, ob die Maßnahmen angemessen sind, spielt in dieser Diskussion keine Rolle. Was eine Rolle spielt, ist dass er behauptet, es gäbe gleichgeschaltete Medien in diesem Land, dass er nicht sagen dürfte was er will, es gäbe eine Unterdrückung von Meinungen, und andeutet es gäbe einen Gehorsam der breiten Masse. Er verhöhnt demokratische Ämter und Institutionen (aus der Bundeskanzlerin wird die ehemalige FDJ-Propaganda-Ministerin, aus den öffentlich-rechtlichen werden die informall formatierten Gemeinschafts-Medien usw), er verwendet Quellen die im Gestus der Alt-Right / QAnnon Bewegung Unwahrheiten verbreiten, und deutet an, dass er als „politischer Extremist“ gelten könnte, weil er gegen den Mainstream sei.

All das ist die verrohte Sprache und der Gestus der AfD und der neuen Rechten, und macht diese Position damit salonfähig. Vielleicht ist das Virus am Ende des Tages nicht so schlimm wie alle dachten, und all die Maßnahmen waren falsch (was ich persönlich nicht glaube). Und nein, Michy ist kein Nazi, aber als Demokrat hat man die Pflicht und die Verantwortung, auch nicht deren Sprache zu sprechen. Ich wünsche mir den Respekt, die Liebe und die Achtung, die er in seinen Grußworten immer wieder betont auch und besonders gegenüber Menschen und Institutionen, die er kritisch sieht.

Ist nicht zuviel verlangt glaube ich.

12 Comments

  1. Bo Heart 30. August 2020 at 23:52

    Wow, danke für deine Mühe! Sehr schlüssig argmunetiert!

    Reply
  2. Lothar Brandes 31. August 2020 at 0:48

    An Herrn Müller bezüglich Songtext Michy Reincke
    Warum sind Sie nicht Anwalt? Da würden SIe Karriere machen. DIe Texte von Michy sind sicher nicht kritiklos zu lesen und einiges Ihrer Analyse stimmt auch. Nur man muss im Subtext auch erkennen, dass da eine message ´rüberkommt, die sich um Menschlichkeit dreht und um Kultur und Musik. Diese ist heute eindeutig gefährdet. Ich kenne viele Musiker, die jetzt in Harz IV sind und damit auch psychologisch gebrochen. Wirtschaftlich sowieso. Ich will jetzt nicht meine Meinung über die politische Lage kundtun. Ihre detailierten Textanalysen sind schön zu lesen, aber sie interessieren mich nicht. Ganz sicher sind Sie ein heller Kopf als Kritiker, aber ihre Behauptung, Songtexte schreiben zu können muss ich jetzt bezweifeln. Technik reicht nicht, dafür braucht man Empathie.

    Reply
    1. Wolfgang Müller 31. August 2020 at 8:41

      Lieber Herr Brandes, es geht hier nicht um einen Songtext, sondern um ein von Michy Reincke auf Facebook veröffentlichtes Pamphlet das suggeriert, seine Meinung könnte er in Deutschland nicht frei äußern. Bitte erst einmal dies lesen und dann diese Replik. Schönen Gruß Wolfgang Müller

      Reply
  3. Jörg Erb 31. August 2020 at 1:35

    Ganz wunderbar. Habe Michy Reinckes Text traurig kopfschüttelnd gelesen und bin froh, hier einen so aufklärerischen Text zu finden, der dazu geeignet sein möge, Michy zurück – nein, das vermutlich nicht, ich habe die Kommentare seiner Gemeinde gelesen und fürchte, er steht jetzt ersatzweise dort auf der Bühne. Oder schlimmer: er nimmt ein Bad in der Menge.
    Herzlichen Dank, werde den Text weiterreichen.

    Reply
  4. Jennifer Pohl 31. August 2020 at 8:44

    Danke für die Mühe. Ich bin froh, dass es Texte wie Ihre gibt.
    Zu Herrn Brandes: falsche Argumentation und Verschwörungsunterstellungen, erlauben das „Verstecken“ von Menschlichkeit im „Subtext“ nicht (saubere Argumentation dafür siehe oben im Text). Außerdem erschweren Sie genau so, massiv, die Arbeit derer die gerade versuchen unter Einhaltung der Regeln Kultur und Live-Erlebnisse zu erhalten.

    Reply
  5. Michy Reincke 31. August 2020 at 16:46

    Liebe Leserin, lieber Leser,
    es gibt Menschen, die denken um Recht zu haben & es gibt Menschen, die denken um zu verstehen.
    Ich empfinde es als okay, dass wir verschiedene Denkansätze & Meinungen haben & mit offensichtlich vielen gleichen oder unterschiedlichen Informationen zu verschiedenen Einschätzungen kommen. Es ist doch schon immer so gewesen, dass man auch verblüfft voreinander stehen & innerlich fassungslos den Kopf schütteln konnte über die Meinung des anderen. Gilt das nicht mehr?

    Ich habe mir eine Meinung aus verschiedensten Quellen gebildet & die Argumentation meines Beitrags https://www.facebook.com/michyreincke/posts/3951535311539630 in erster Linie mit Informationen & Zahlen des RKI (Robert-Koch-Institut) & O-Tönen von Regierungs-Wissenschaftlern oder dem Gesundheitsminister belegt.

    Es wurde bemängelt, dass ich YouTube-Video-Links eingefügt habe. Abgesehen davon, dass ich nicht ganz verstehe warum man annimmt, dass es bei YouTube keine relevanten journalistischen Beiträge geben sollte (dort präsentieren sich doch auch alle etablierten Medien), sind die meisten meiner Links Aufzeichnungen von offiziellen Stellungnahmen oder Nicht-YouTube-Verknüpfungen. Wer sich mit meinen Quellen beschäftigt hätte, hätte das gesehen.

    Ich finde es nachvollziehbar, dass Menschen Angst haben, denen man Angst gemacht hat, ich habe nur – wie viele andere – keine Angst vor einem Virus & ich habe versucht die Proportion zu vergangenen Grippewellen herzustellen. & meine persönliche Analyse & Recherche kommt zu dem Ergebnis, dass die Maßnahmen in keinem Verhältnis zu der Gefährlichkeit stehen.

    Ich schließe mich dabei u.a. nur einer Einschätzung von Wissenschaftlern an, die in diesem Beitrag vom 10.05.20 im ZDF zu Wort gekommen sind.
    https://www.zdf.de/politik/berlin-direkt/berlin-direkt-vom-10-mai-2020-100.html

    Stellen wir uns mit den aktuellen Zahlen des RKI vor, die „Pandemie“ wäre 100 x so gefährlich wie sie jetzt ist. Dann gäbe es 28% insgesamt positiv Getesteter (von denen 85% nicht erkrankt wären), 1% Tote, 2% mit aktuell positivem Test. Das sind die Zahlen für eine hundertmal so gefährliche „Pandemie“!
    Eine Regierung die es vor einem Jahr gewagt hätte, bei 0,28% (235.000 Menschen) der Bevölkerung, die positiv auf eine Erkrankung getestet worden wäre (von denen wiederum 85% nachweislich nicht erkrankt gewesen wären), 0,011% der Menschen (9.300), die mit fast immer mehreren relevanten Vorerkrankungen & einem positiven Test gestorben wären & aktuell 0,02%, die einen positiven Test aufgewiesen hätten (16.700 Menschen), die Kultur auszukippen & die Wirtschaft zu vernichten, so eine Regierung wäre für verantwortungslos & verrückt erklärt worden. Dies sind aber gerade die Zahlen gewesen mit denen alles gerechtfertigt wird.

    Dass der geschätzte Kollege Wolfgang Müller ganz offensichtlich auch eine Meinung hat die sich aus seinen gewonnenen Informationen zusammensetzt, halte ich in einem Klima kontroverser Standpunkte für selbstverständlich. Dass er sich dabei im Ton vergreift wenn er von meinem Beitrag als Pamphlet spricht oder versucht mich politisch zu verorten empfinde ich eher als sein Problem.

    Unverständlich ist für mich auch, dass er – den die gemeinschaftseigenen öffentlich-rechtlichen Medien für seine musikalische Leistung bisher so gut wie überhaupt nicht mit einer Abbildung gewürdigt haben – ein Medium verteidigt, dass sich selbst „formatiertes Radio“ nennt & durch keine redaktionell erfolgte Qualitätsermittlung sehr wohl kulturell formatiert ist & die Musikprodukte & Interessen der Unterhaltungskonzerne Sony, Universal & Warner „bevorzugt“. Ich hüte mich vor Unterstellungen, aber falls jemand sich die Frage stellen möchte ob es wirklich ausgeschlossen sei, dass unsere eigenen Medien möglicherweise auch formatierte Informationen verbreiten, die nicht den Interessen der Allgemeinheit dienen – wäre das so unvorstellbar?

    Wie ich in meinem Schreiben „Trägheit & Propaganda“ erklärte, kann ich meine Informationen belegen. Anbei ein Link zu der von Wolfgang Müller vermissten Quelle der nahezu gleichlautenden Erklärung unterschiedlichster Staatenlenker.
    Man muss ganz sicher nicht jeder Vermutung folgen die „Amazing Polly“ hier ausführt – eine Recherche bedeutet ja nicht die kritiklose Akzeptanz jeder Information – aber durch den Hinweis auf die gleichgeschalteten Verlautbarungen durch die O-Töne, gibt es ein ganz interessantes Bild, dass die meisten Länder eventuell eben nicht völlig unabhängig ihre Entscheidungen getroffen haben. Ab Minute 2.00
    https://5g-emf.com/the-global-health-mafia-protection-racket-amazing-polly/ [ACHTUNG: Amazing Polly ist ein QAnon Kanal, der rechtsradikale Verschwörungstheorien verbreitet, Anmerkung des Websiteinhabers]

    Man warf mir auch vor, ich würde meine Verantwortung nicht wahrnehmen. Ich denke schon dass ich meine Verantwortung wahrnehme. Ich hinterfrage nicht plausible oder von mir so empfundene unsinnige Maßnahmen & werbe dafür es ebenso zu tun. Das ist mein gutes Recht & darüber zu sprechen ist meine freie Meinung.
    Warum sollte ich nicht auch die Wirksamkeit von Masken infrage stellen können wie es der SPD-Gesundheitsexperte Herr Lauterbach im ZDF tun darf?
    Lauterbach – Masken sind ohne Nutzen:
    https://www.youtube.com/watch?v=iSlc1pDxXXI

    Also noch einmal zusammenfassend: Was ich aufgeschrieben & auf -meiner- Facebook-Seite veröffentlicht habe ist -meine- Meinung, eine Schlussfolgerung aus den Informationen, die ich gesammelt habe um mir ein Bild von der Gefährlichkeit der Erkrankung & den Maßnahmen die zu seiner Eindämmung vorgenommen wurden, zu machen. Ich habe es jedem frei gestellt sich für meine Meinung zu interessieren oder sie zu ignorieren.

    Lasst uns unterschiedliche & kontroverse Einschätzungen & Meinungen haben & sie durch andere Informationen infrage stellen. Lasst uns diskutieren & dabei friedlich & freundlich bleiben. Respektvoll sein.

    Beste Wünsche für Euch
    Michy Reincke

    Reply
    1. Wolfgang Müller 31. August 2020 at 16:48

      Lieber Michy

      Danke für die Antwort. Es geht mir, wie mehrfach betont, NICHT primär um die inhaltlichen Aussagen in deinem Text. Man darf, kann und muss dazu unterschiedlicher Meinung sein, und darf dazu streiten. Gerne! Wie ich auch sagte, will ich gar nicht ausschließen, dass das Virus nicht so gefährlich ist wie gedacht. Das ist eine reelle Möglichkeit! Aber die Rhetorik, der du dich bedienst, die SPRACHE, ist an die extreme Rechte nahtlos anschlussfähig, und das liegt meiner Meinung nach sehr wohl in jedermanns eigenem Verantwortungsbereich.

      Ich weiß, dass dir dieses Gedankengut fern liegt, und dass du ein emphatischer Herzensmensch bist, umso wichtiger ist es, sich von diesen Gruppierungen in aller Schärfe abzugrenzen. Unbedingt und jederzeit. Ich verorte dich überhaupt nicht am extrem rechten Rand, aber durch die Wahl deiner Worte rückst du dich selber ungewollt in diese Nähe, bzw. machst die Art der Delegitimierung demokratischer Institutionen salonfähig. Nichts anderes habe ich geschrieben. Wie du gerade mit dem Link zu Berlin Direkt demonstriert hast, gibt es ja offensichtlich Stimmen im Öffentlich-Rechtlichen, die die Maßnahmen und deren Verhältnismäßigkeit in Frage stellen. Von einer aufkommenden Limitierung der Meinungsfreiheit kann also keine Rede sein, ebensowenig von Gehorsam oder Entmündigung. Bill Gates verabschiedet in diesem Land keine Gesetze, und Angela Merkel ist nicht mehr die FDJ-Propaganda-Beauftragte, sondern die Bundeskanzlerin. Wie ich sagte, der Ton macht die Musik, und die Verhöhnung der Öffentlich Rechtlichen Sender als „kulturell und informell formatierte gemeinschaftseigene Medien“ unterscheidet sich nur in Nuancen vom Ruf der „Lügenpresse“ bzw. der „Systemmedien“. Und als Demokrat kann man diese Artverwandheit der Sprache nicht ignorieren oder zu einem Problem des Zuhörers machen.

      Für die Schmähung des Textes als Pamphlet entschuldige ich mich.

      Alles Liebe

      Reply
  6. Holger Schade 1. September 2020 at 9:17

    Die zitierte Selbstbezichtigung als „politischer Extremist“ kommt meines Erachtens direkt aus dem Über-Ich der entsprechen Person. Das ist in etwa so wie die rhetorische Fragestellung, ja geradezu Aufforderung durch meine Gesprächs-Gegenüber: „Jetzt holst Du gleich wieder die Nazi-Keule raus“. In der Regel kommt diese oder eine ähnliche Formulierung lange, bevor ich überhaupt selbst auf die Idee käme.

    Reply
  7. Kurt Buschmann 2. September 2020 at 10:07

    Moin liebe Kollegas,

    ist das jetzt eine öffentliche Inszenierung von Euch Beiden, um die kollektive Hirnrinde in Wallung zu bringen? Dann hoffe ich, dass es gelingen möge und so Viele wie nur möglich begreifen, dass die gegenwärtige Situation auch als Herausforderung gesehen werden kann, sich selber in die Verantwortung zu nehmen, sachliche Quellen zu studieren und sich von Spekulationen fern zu halten.
    Lasst uns für die eigene geistige und seelische Hygiene sorgen, sowie für einen kühlen Verstand und ein warmes Herz, um sozial denken, fühlen und handeln zu können.

    Herzliche Grüße,
    Kurt

    Reply
  8. Maren Wilke 5. September 2020 at 10:01

    Aufrechterhaltung ideologischer Vorstellungen auf Kosten der Wahrheit – so würde ich dein ganzes Vorgehen beschreiben. Am meisten schockiert mich, dass du offen zugibst, dass es dir nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht (bei der dir schlicht die Argumente fehlen würden), sondern um die Aufrechterhaltung einer Ideologie, die sich, wie es mir scheint, schon zu einer Ersatzreligion bzw. religiösem Wahn verfestigt hat. Aber vielleicht habe ich da auch nur etwas falsch verstanden…

    Fassen wir also deine/eure Glaubenssätze noch mal zusammen:
    – Verordnungen sind immer zu befolgen – egal wie unsinnig oder gesundheitsgefährdend sie auch sein mögen und egal ob es eine gesetzliche Grundlage dafür gibt – solange sie von einer demokratisch gewählten Regierung erlassen wurden.
    – Die Medien berichten ausgewogen und nach bestem Wissen und Gewissen, schließlich lassen sie ja eine Minimalkritik zu. Die Sendungen in denen Christian Drosten und Sucharit Bhakdi frei miteinander diskutieren konnten, muss ich wohl irgendwie verpasst haben… (und wahrscheinlich schalte ich auch immer nur zum falschen Zeitpunkt ein, nämlich dann, wenn die Maßnahmen von den Verantwortlichen (ohne journalistisches Nachhaken) mit teils lächerlichen Argumenten gerechtfertigt werden, die Regierung für ihr Vorgehen gelobt wird bzw. sich selbst lobt und Demonstranten beleidigt und verleumdet werden).
    – Es gibt „gute“ und „böse“ Quellen. Informationen aus guten Quellen brauchen nicht hinterfragt zu werden. Informationen aus bösen Quellen sind grundsätzlich abzulehnen und werden erst gar nicht betrachtet. Dies gilt insbesondere für Kritik an Bill Gates. (Wahrscheinlich wird es dich noch nicht mal interessieren, was Gates auch abseits von Corona vorgeworfen wird und wie die Beweislage aussieht).
    – Der Sachverhalt ist viel zu komplex, um sich selbst mit ihm zu beschäftigen und sollte (von der Regierung ausgewählten) „Experten“ überlassen werden.
    – Da die Maßnahmen in ähnlicher Weise in fast allen Staaten der Welt umgesetzt werden, müssen sie richtig sein (so zumindest deine Argumentation in einem Kommentar). Warum Länder, wie z.B. Rumänien, Indien und Angola auf eine noch unverhältnismäßigere absolut menschenverachtende Art und Weise reagieren scheint dich nicht zu interessieren. Dass dabei monetäre Anreize eine Rolle spielen könnten, ist natürlich nur eine „Verschwörungstheorie“ und somit keine Überlegung wert.

    Na dann herzlich willkommen im betreuten Denken. Mit dieser Einstellung wirst du nie Probleme haben. Vater Staat und Mutter Wissenschaft kümmern sich schon darum.
    Was ich in deinem Text finde, ist v.a. eine Auflistung von Behauptungen. Eine ergebnisoffene tiefergehende Auseinandersetzung mit Daten und Zahlen wäre viel zu mühselig und findet daher nicht statt. Gleichzeitig behauptest du aber die Mehrheit der Bevölkerung, die die Maßnahmen befürwortet, wäre umfassend informiert und interessiert. Könnte es nicht eher sein, dass die Mehrheit kritiklos die Darstellung aus TV und Print übernimmt? Ich habe jedenfalls noch nie seit Einführung der Maskenpflicht einen maskenkritischen oder -ablehnenden Beitrag gesehen. Auch wurde seitdem nicht mehr auf das alle 20 Minuten nötige Wechseln der Maske hingewiesen. In Flug- und Fernverkehr wäre dies einfach zu aufwendig bzw. unmöglich.

    Nachtrag: Das RKI geht von schätzungsweise 20.000 Toten jährlich durch Infektionen mit multiresistenten Keimen in Krankenhäusern in der BRD aus. Dieses Problem ist seit Jahren bekannt, wird jedoch trotz vergleichsweise einfacher Maßnahmen (Testung jedes neuen Patienten) nicht angegangen. Der Gesundheitsschutz steht also nur in ausgewählten Fällen wie eben der Corona „Pandemie“ im Vordergrund und wird ohne Rücksicht auf wirtschaftliche und kulturelle Schäden durchgesetzt. Dazu kommen dann noch die, durch die Maßnahmen ausgelösten, gesundheitlichen Schäden (Depressionen, Atemwegserkrankungen und die Folgen verschobener oder nicht durchgeführter Behandlungen)

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  9. Lisa 15. Oktober 2020 at 13:29

    Lieber Wolfgang Müller, Danke für Ihre klaren Worte. Ich war auch sehr erschüttert und enttäuscht über Michy Reinckes „TRÄGHEIT UND PROPAGANDA“ und auch über seine Antwort auf Ihr „Pamphlet“. Ich habe meine Konzertkarten zurück gegeben aus Protest. Ich wünsche Ihnen alles Gute und passen Sie auf sich auf.

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  10. Maren Wilke 18. November 2020 at 16:08

    In meiner ersten Antwort habe ich mich eher auf den Inhalt konzentriert, dabei ist die Form deiner Replik viel interessanter: Indem du mehrfach betonst, dass es dir (zumindest in dieser Replik) nicht (!) um den Kern der Sache geht, nämlich darum ob und wie gefährlich das Virus ist und ob die Maßnahmen folglich angemessen sind, du dieses Thema aber dennoch kurz streifst und scheinbar wiederlegst, wendest du (vielleicht unbewusst) einen argumentativen Trick an:
    Du behauptest es gäbe „zahlreiche Falschbehauptungen“ in Zusammenhang mit der Annahme die Corona-„Pandemie“ sei nicht gefährlicher als eine Grippe-Epidemie (z.B. Winter 2017/18), die du widerlegen könntest, es aber nicht tust. Stattdessen soll ein am Thema völlig vorbei gehender Correctiv-Artikel, der eben nicht diese und ähnliche Fragen klärt (Da der Artikel schon im März erschienen ist, kann er auch nicht auf Statistiken zu Übersterblichkeit, Alter und Vorerkrankungen der Erkrankten und Verstorbenen usw. eingehen) und sich ähnlich wie deine Replik mit Nebenschauplätzen beschäftigt, als Beleg dienen und eigene „mühselige“ Recherche ersetzen. Sollte der Grund dafür nur das Textvolumen sein und nicht eigener erheblicher Rechercheaufwand unter Einbeziehung aller wissenschaftlicher Positionen, wäre es sehr viel fairer gewesen 2 Repliken zu verfassen: Eine für die Form und eine für den Inhalt (oder sich ausschließlich auf die Form zu konzentrieren). Bemerkenswert ist auch, dass du zum Schluss schreibst, dass es „keine abschließend validen Daten über die Gefährlichkeit des Virus“ gebe, weiter vorne, aber dennoch behauptest wissenschaftliche Positionen, die SARS-CoV-2 anders bewerten seien “widerlegt“.
    Insgesamt wäre ich vorsichtiger damit von „Lügen“ zu sprechen. Unsere Bewertungen beruhen einfach auf völlig verschiedenen Grundannahmen (was auch in Ordnung ist).

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